12. Mai 2021

iOS 14: Wie befürchtet stimmt kaum einer zu


Wie bereits hier schon berichtet, hat Apple nun endgültig mit dem Update auf iOS 14.5 ernst gemacht und beim Öffnen von Apps werden die Anwender nun einmalig dazu aufgefordert, aktiv das Tracking zu erlauben oder abzulehnen. Ein Wegklicken oder ignorieren, wie es beim Cookie-Banner oft passiert, ist nicht möglich. Das Dialogfeld besteht aus einer Prägnanten Überschrift (“Darf [App-Name] deine Aktivitäten in Apps und auf Websites anderer Unternehmen erfassen?”) mit erklärenden Worten (“Deine Browsing-Aktivität wird genutzt, um dir personalisierte Werbung anzuzeigen”) und einem auffälligen “Tracking ablehnen” und einem winzigen “Erlauben” ganz unten.

Nur 4 Prozent der iPhone-Nutzer klicken auf “erlauben”

Angesichts der zurecht ewig schwelenden Debatten um Cookies, Privatsphäre, Datenschutz und personalisierter Werbung ist ein erleichterter Klick auf “Tracking ablehnen” auch verbunden mit dem Gefühl, endlich einmal gefragt zu werden und aktiv in die Entscheidung über die eigene Daten-Verwendung eingebunden zu werden. Für den Nutzer impliziert dies also eine gewisse Zurückerlangung der Hoheit über seinen Fingerabdruck, den er im World Wide Web hinterlässt. Außerdem hat ein Nutzer ja auch keine positiven Auswirkungen vom Erlauben, sodass ein aktives Erlauben eben auch unattraktiv scheint.

Darum verwundert es auch nicht, dass nur 4 Prozent der amerikanischen iPhone-Nutzer und 12 Prozent weltweit bereit sind, ihre Daten für personalisierte Werbung zur Verfügung zu stellen. Ich vermute, dass neben einem Anteil an Fehlkicks (dicker Daumen) und Nicht-Lesen-“erlauben ist immer super, ich will schnell in die App”-Klicks die Mehrheit dieser kleinen Gruppe an Zustimmenden traurige Marketer sind, die um spürbaren Auswirkungen auf das Werbegeschäft und damit auch für viele Unternehmen wissen und zumindest noch ein wenig helfen wollen.

IDFA – Was es mit der Werbe-ID auf sich hat

Doch was genau hat es denn eigentlich mit dem “Erlauben” auf sich und was macht so eine App dann? Und was machte sie dann also früher, vor unserer Einwilligung oder Ablehnung? App-Entwickler hatten auf die IDFA (“Identifier for Advertisers”) eines jeden iOS-Nutzers Zugriff. Diese Werbe-ID ermöglichte es, personalisierte Werbung an das jeweilige Smartphone auszuspielen, die darauf basierte, was die Person mit dieser ID im Internet so tat. Dieses Prinzip gibt es weiterhin, doch nun wird sie eben nur dann zugänglich, wenn der Nutzer aktiv einwilligt.

Facebook und Google leiden: Das Werbe-Targeting bricht ein

Abgesehen davon, dass Google und Facebook damit sicherlich enorme Umsatzeinbußen verzeichnen, wenn das Werben nicht mehr lukrativ ist, weil nicht personalisierte Werbung wie mit der Gießkanne zu große Streuverluste verzeichnet, wirkt es sich auch auf Unternehmen aus, deren Geschäftsmodelle darauf gegründet hatten. Und auch auf jedes einzelne, werbetreibende Unternehmen. Und nicht zuletzt leiden auch die Werbe-Dienstleister darunter. Ein wichtiger Grundpfeiler der Online-Werbung bricht ein – auch wenn es nur die iOS-Plattform betrifft, die immer noch zahlenmäßig hinter der Android-Plattform liegt.

Werbung wird es weiterhin geben. Der Nutzer kann aber nun entscheiden, ob er Werbung sieht, die ihn ansatzweise interessiert (also mit Tracking) und Werbung, die nicht im Entferntesten auf ihn zugeschnitten ist.

Quellen: u.a. https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/update-auf-ios-14-5-apple-nutzer-schalten-reihenweise-werbetracking-ab/27180558.html
https://t3n.de/news/katastrophe-werbetracking-ios-1377698/