23. April 2021

Was ändert sich mit Googles Core Web Vitals?


Die Google Web Vitals sind der Versuch, die Nutzererfahrung messbar und zu einem Rankingfaktor zu machen. Über die Einführung neuer, fester Metriken versucht Google, eine einheitliche Qualitäts- und Bewertungsgrundlage für eigentlich softe, qualitative Faktoren zu schaffen. Die Web Vitals spiegeln jeweils verschiedene Facetten der Bewertungskriterien eines Users wider. Im Kern sind drei Kennzahlen relevant, die jeweils in drei Stufen bewertet werden: Gut, optimierungswürdig, schlecht.

Ladezeit und Nutzerfreundlichkeit werden wichtige Rankingfaktoren

Wer wartet schon gern lange – insbesondere mobil – bis eine Website vollständig geladen ist? Alles muss immer schneller, immer selbstverständlicher und intuitiver funktionieren. Unser Erleben aus Zeiten des 56k-Modems und die Bereitschaft, auch einmal sekundenlang auf die vollständige Darstellung eines Inhalts zu warten, sind einer Ungeduld im plötzlich spürbaren Millisekunden-Bereich gewichen, die uns dazu bringen, nach dem Klick auf einen Link innerhalb eines Wimpernschlags schon genervt zu sein und im schlimmsten Fall den Tab wieder zu schließen. Was das für Werbetreibende und Websitebesitzer bedeutet, liegt klar auf der Hand.

Folgende Core Web Vital Rankingfaktoren sind ab Mai 2021 relevant:

Largest Contentful Paint (LCP) misst die Ladezeit der Seite bzw. im eigentlichen Sinne die Zeit, die das größte Element innerhalb des sichtbaren Bereichs in Anspruch nimmt, bis es gerendert ist. Als guten Wert definiert Google Zeiten unter 2,5 Sekunden.

First Input Delay (FID) definiert die Interaktivität. Beispiel: Wie lange dauert es nach dem ersten Klick des Nutzers bis der Browser reagiert? FID-Werte unter 100 Millisekunden gelten als gut. So lange sollte also maximal die Zeit sein zwischen einem Klick auf einen Button bis die anschließende Aktion durchgeführt ist.

Cumulative Layout Shift (CLS) dient als Kennzahl für die visuelle Stabilität einer Website und misst, wie oft sich Seitenelemente unerwartet verschieben, beispielsweise bis die Seite vollständig geladen ist. Die Google-Metrik ist eine komplizierte Rechnung aus einzelnen Faktoren und sieht Werte bis 0,1 als gut.

Warum sind die Core Web Vitals so brisant?

Google setzt immer weiter die Bedürfnisse des Nutzers in den Vordergrund – die einzige Logik, nach der jeder Werbetreibende und Website-Entwickler handeln sollte. Der Suchmaschinenriese möchte das Internet schneller und nutzerfreundlicher machen – natürlich auch, weil erfolgreiche Werbung das Geschäftsmodell ist.

Übrigens: Klassische Aspekte wie Optimierung für Mobilgeräte und SSL-Zertifikate bleiben weiterhin relevant, ebenso wie die „Abstrafung“ nerviger Pop-up-Elemente.

Was bedeutet dies nun konkret ab Mai? Google sagt, dass das Update im Mai nicht zu sofortigen Rankingeinbrüchen führen wird. Vielmehr soll das Bewusstsein für Usability geweckt werden. Im Laufe der Zeit werden Websites, die dem Nutzer nicht die optimale Nutzererfahrung bieten, im Google-Nirvana verschwinden. Und hier geht es nun erstmals um handfeste, messbare Zahlen, die die Webmaster in die Pflicht nehmen. Diese wiederum können das Ranking dann nicht mehr einzig auf den Erfolg oder Misserfolg der SEO-Kollegen schieben.

Schlechte Core Web Vital Werte – und nun?

Grundsätzlich gilt weiterhin: Es gibt nicht den einen Rankingfaktor. Faktoren wie Domainalter und URL-Struktur werden weiterhin mit in die Bewertung hinzugezogen. Auch die alles überspannende Relevanz der Inhalte und der Informationsgehalt einer Website bleibt bestehen. Dennoch kommen nun klar messbare KPI dazu, die nicht zu unterschätzen sind.

Die Werte, die am Mai in den Google Algorithmus integriert werden, sind einsehbar, jeder Websitebetreiber und -nutzer kann sie herausfinden, eigene und fremde Websites testen und Ergebnisse einstufen und bewerten.

Das Problem: In vielen Fällen ist es kompliziert, hier Verbesserungen vorzunehmen. Warum? Viele Websites, insbesondere von Baukastensystem, Agenturen und Website-Betreibern, die keinen Schwerpunkt auf die Usability in technischer Hinsicht setzen und Verwender von fertigen Themes kämpfen schon in der Basis mit einem gigantischen Overhead an Code und Einstellungen, der sich zu nennenswerten Einschränkungen aufsummiert. Werden dann noch Plugins von Drittanbietern, Banner und weitere Elemente falsch eingebunden, dann ist es beinahe hoffnungslos, bei bestehenden Systemen die Performance zu verbessern.

Wer also in der Vergangenheit nicht auf die technische Qualität seiner Website und den Code Wert gelegt hat, der hat ab Mai dann vielleicht immer noch eine schöne Website und im besten Fall auch hochwertige Inhalte, wird aber im Ranking auf lange Sicht verlieren.

Übrigens: Hier kann jeder selber die Performance seiner Website überprüfen.

Quellen u.a.: https://t3n.de/news/web-vitals-googles-kennzahlen-1276677
https://www.contentconsultants.de/blog/google-stellt-core-web-vitals-fuer-usability-vor/
https://t3n.de/news/rankingfaktor-google-core-web-vitals-1365482/